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Freitag, 7. September 2012

Berge, Seen, Natur - Genuss pur

Das ist nun ein toller Ausklang. Der Waterton National Park ist wirklich wunderschön, nicht spektakulär, aber es passt alles zusammen. Heute passt zuerst einmal das Wetter: Sonne pur. Die Wärme folgt, bis zu 23° wird es warm. Ich habe alles besucht, erklommen (den Bear Humb!), abgefahren, was es hier so zu tun und zu sehen gibt. Das ist allerlei. Es gibt hier auffallend viele gute Wanderwege, auch für einen Tag. Die habe ich natürlich nicht gehen können. Man müsste also länger hier sein.

Den eigentlichen Reiz aber habe ich gar nicht wahrnehmen können. Der liegt nämlich in der reichen Flora, und damit ist es im Herbst natürlich schlecht. Auch die Tierwelt begibt sich langsam zur Ruhe. Wir sind hier in Waterton Lake 1280 m hoch. Der besondere Artenreichtum der Flora und Fauna um die Waterton Lakes herum aber begründet Watertons Ruf und Auszeichnung als "World Heritage". Ich habe also "nur" den schönen Park erleben können. Das war aber einfach total schön und total entspannend.


Eine Bootsfahrt war auch wieder dabei, eine Cruise auf dem Waterton Lake. Sein Südteil liegt schon jenseits des 49. Breitengrades, also jenseits der kanadischen Grenze in den USA. Dort liegt der Glacier National Park (US). Am südlichen Ende des Sees gibt es eine US-Ranger-Station mit Anlegestelle, Goats Haunt. Genau genommen war ich also heute auch noch (wieder) in den USA. Man hat Grenzformalitäten aber nur, wenn man vom See weiter ins Hinterland hiken will. Ist alles tiefste Wildnis - und ganz besonders auch Bärenland, Grizzly Bears. Hab aber keinen gesehen.

Was ist der Unterschied zwischen den USA und Kanada? Dass der Kellner (um die 40) im abendlichen urgemütlichen und romantisch am See gelegenen Lakeshore Inn aus reinem Interesse bereits dreimal in Deutschland war. Das wäre für einen US-amerikanischen "server" undenkbar. Was sagte er über Deutschland? "Great country"! Ja, das kann ich nun wirklich auch über Kanada sagen: Great country! Wonderful country! Thanks to the Canadian hospitality!

Denn dies ist nun das Ende meiner täglichen Blogposts und Bilder in den Webalben. Morgen gehts "by car" nach Calgary, und nach einer kurzen Nacht geht es am frühen Sonntag Morgen per Flug weiter nach Toronto. Das zählt für mich dann schon zur Rückreise, auch wenn ich in Toronto noch zwei Nächte Stop over habe. Ich habe diesen Abend heute besonders genossen, fein gegessen und getrunken direkt am See. Ich glaube, morgen in Calgary nehme ich mir vom Fotografieren "frei"... Nur ein Schlusswort, das wirds noch geben.

Und HIER im Webalbum gibts all die vielen Fotos von heute.

Donnerstag, 6. September 2012

Fast das Finale

Auf zum Waterton Lakes National Park - World Heritage. Morgens in Drumheller ist es lausig kalt, 4° gerade mal, und an den Ufern des Red Deer River und der kleinen Seen hat sich Raureif gebildet. Nebelschwaden durchziehen das Tal. September. Fall. Herbst. Tolle Stimmung, denn die Sonne kommt dann doch immer stärker durch. Einen Abstecher zum "Dinosaur-Park" bei Brooks habe ich verworfen, weil ich doch lieber rasch nach Waterton will. Welche Besonderheiten wird dieses Welt-Naturerbe für mich bereit halten? Ich werde es morgen erkunden.

Wirklich überraschend plötzlich steigen die Rocky Mountains aus der Prairie vor einem auf. Leider fahre ich zugleich in eine Wolkenwand hinein, so dass zunächst nicht mehr viel von den Felsenbergen zu sehen ist. Aber dann sind sie doch da, groß und mächtig. Waterton Lake, ein erster Blick auf den See und das berühmte, wie ein Schlösschen anzusehende Hotel "Prince of Wales". Waterton ist ein netter kleiner, offenbar in der Saison gut besuchter Touristenort im Nationalpark. Eine der Parkstraßen habe ich heute schon erkundet, die zum Lake Cameron hinauf. Morgen gibt es mehr davon, bei Sonnenwetter (angekündigt) auch einen Hike.

Waterton ist offenbar bei US-Amerikanern sehr beliebt, sie dominieren hier stark. Klar, die Grenze nach Montana ist gleich um die Ecke, aber warum müssen sie nun gerade hierher nach Kanada kommen? Wahrscheinlich gibt es drüben keinen vergleichbar netten Ort. Hat einen Effekt wie bei Deutschen auf Mallorca. Unangenehm. Schade. Habe da auch gerade eine wenig freundliche Erfahrung mit bräsigen US'lern im Restaurant machen müssen.  So etwas habe ich weder in Alaska noch irgendwo in Kanada bisher erlebt.

Morgen und die nächsten, meine letzten Tage hier, bin ich nur noch scharf auf Kanada - und die schöne Natur hier!
Übrigens, tolles Radio gibt es hier: "107,7 The River". Lethbridge, die bemerkenswerte Hauptstadt von Süd-Alberta.

Ein paar Bilder gibts auch, siehe HIER im Webalbum. Dass es in Waterton schlechte Internetverbindung gibt, war ein  Gerücht einer offenbar veralteten Webseite meines Hotels. Alles nett und perfekt hier in der Lodge. - Das Bild rechts ist die hiesige Polizeistation. Somit auch mal ein Foto der RCMP!

Mittwoch, 5. September 2012

Shopping Erlebnis

Also dass ich mit Freude und fast etwas erleichtert vorhin nach Drumheller zurück gekehrt bin, das hätte ich gestern nun wahrlich nicht gedacht. Calgary ist eine sehr hektische Stadt, very busy, viel Verkehr und Trubel. Die Anfahrt war vom Wetter her noch sehr schön, als immer deutlicher die Rockies vor mir auftauchten. Ich bin dann gleich als erstes auf den Calgary Tower (191 m hoch ) gefahren, tolles Erlebnis, zumal mit der neuen gläsernen Kanzel direkt über dem Abgrund. Der Blick ist wirklich super.

Danach aber trübte das Wetter zusehends ein, und bei Kälte (13°) und Nieselregen kommt die schönste Stadt schlecht zur Geltung. So habe ich halt einen Shopping Tag draus gemacht, denn Shoppen kann man in Calgary wirklich prächtig. Dazu laden die vielen Geschäfte und Malls ein, die sich direkt im Zentrum befinden und über "Skywalks" in der ersten und zweiten Etage untereinander verbunden sind, ein echtes Labyrinth. Man kann also überall in der City einkaufen, ohne die Straße draußen überhaupt nur zu betreten, praktisch in den langen kalten Wintermonaten. In Montreal ist aus dem selben Grund die Shopping Meile eine Etage tiefer gelegt.

Die Orientierung in Calgary ist tatsächlich anfangs ein Problem, denn hier werden nicht nur die Straßen (Nord - Süd) und Avenues (Ost - West) fein säuberlich gezählt, das wäre ja einfach und leicht. Nein, hier wird nach Quadranten gezählt, entsprechend den vier Himmelsrichtungen. Die 1st Street zum Beispiel gibt es also Downtown gleich zweimal, SW und SE, das sind dann aber zwei verschiedenene Straßen. Recht ulkig, sich das so ausgedacht zu haben.

Es reicht also keineswegs, sich für den Parkplatz des Autos nur die nächste Ecke "xte Ave / yte Str." zu merken, nein, ohne den Quadranten hilft das wenig. Nach einiger Zeit hat man sich auch daran gewöhnt, zumal in den Skywalks, wo die Orientierung bei den unbekannten Namen der Gebäude und der Ausgänge anfangs echt schwierig ist. Wenn ich das schreibe, will das schon was heißen. Aber dann, wenn mans kapiert hat, macht das Shoppen in Calgary echt Spaß, ist irgendwie besonders reizvoll, finde ich. Gut, dass ich heute schon einmal in Calgary war, dann kann ich mich am Samstag, dem Abschiedstag in Alberta, dort gleich ordentlich "austoben". Ich weiß auch schon wo.

Die Rückfahrt war dann ein besonderer Genuss, denn es hellte bald nach Calgary wieder auf, und das weite, leicht gewellte Prairieland glänzte golden über den abgeernteten Feldern und unter weitem, "lebendigem" Himmel. Die Sonne ist hervor gekommen. In  Drumheller ist es freundlich und warm, ruhig und beschaulich. Diese Weite und der herrliche Himmel darüber haben mich in ihren Bann geschlagen. Ich werde oft daran denken und beides bestimmt bald sehr vermissen.

In der Travelodge ergibt sich dann noch draußen, auf den Picknick-Plätzen, ein netter Kontakt zu drei kanadischen Ehepaaren, die hier einen Geburtstag feiern. Sie laden mich gleich mit ein an ihren Tisch, und wir haben eine sehr unterhaltsame Stunde miteinander. Es ist wie so oft auf meinen Reisen: Was auf den ersten Blick wie ein Reinfall aussieht, entpuppt sich alsbald als ein besonderer Glückstreffer. Cheerio, Drumheller!

Hier gibts wieder den Link zu einigen Fotos von heute. Ihr werdet sehen, der Himmel hats mir angetan.

Dienstag, 4. September 2012

Living Skies

Heute biete ich gleich zwei Fotoserien in den Webalben an. Das erste Webalbum hat den Titel "Living Skies", die Bilder sollten für sich sprechen. Die meisten Fotos sind aus Saskatchewan, einige schon wieder aus Alberta. Prairie-Landschaft - Prairie-Himmel. Absolut faszinierend. Die 500 km Tour langweilig? Nur für den, der keinen Sinn für solche Himmel und diese Weite hat. Saskatchewan ist für mich zum Traumland geworden, jedenfalls eine der mich am meisten beeindruckenden Landschaften Kanadas. Einmalig schön.
Dann gings also weiter zu den "Badlands" bei Drumheller, hier der Link zum Drumheller Album. Wind und Regen haben an beiden Ufern des Red Deer River eine bizarre Landschaft geformt. Nicht schlecht, aber kein Tagesprogramm. In gut einer Stunde hat man den Loop mit zwei Viewpoints abgefahren, 42 km. Dort rum laufen lohnt sich nicht, es gibt auch keine Trails. Wenn man dann noch den kurzen Abstecher zu den Hoo Doos (fester Stein auf weichem Sockel) hinzu nimmt, ist man längstens in 2 Stunden mit allem durch. Alles sehr hübsch anzusehen, aber eben kein Tagesprogramm.

Natürlich kann man noch das Tyrell Museum besichtigen, ein wirklich  gelungenes, top modernes Naturkundemuseum vom Feinsten zum Thema Dinosaurier (man hat hier besonders viele von deren Knochen gefunden) und Entwicklung des Lebens überhaupt. Wirklich sehenswert, besonders für Familien. Wenn man aber nicht gerade alle Schautafeln durchliest, sondern sich auf die wirklichen Fundstücke beschränkt - grandios, so etwas habe ich noch nie gesehen -, ist das zwar auch sehr beeindruckend und toll gemacht, vor alle auch die Dino-Modelle, aber in einer weiteren guten Stunde ist man damit auch durch. Man kann sich dort natürlich auch den ganzen Tag aufhalten.

Nun, das war also heute mein Programm, das für morgen gedacht war. Hier mit Drumheller habe ich mich zum ersten (und wohl auch zum letzten) Mal mit meiner Zeitplanung verkalkuliert. Zwei Übernachtungen in Drumheller sind einfach überflüssig, so viel gibts hier nicht zu sehen, und ansonsten ist der Ort ein ziemliches Nest, wenngleich regional bedeutsam = Kreisstadt. Zum Glück ist es gar nicht weit nach Calgary, rund eineinhalb Stunden. Da werde ich morgen hin fahren und mir einen schönen Tag in Calgary machen, um abends nach Drumheller zum Übernachten zurück zu kehren. Denn an meinem letzten Tag in Alberta, kommenden Samstag, habe ich in Calgary kaum mehr Zeit. Das passt mir also eigentlich sehr gut, denn nun kann ich auch etwas mehr von dieser bedeutenden und größten Stadt Albertas kennen lernen.

Das Finale hinsichtlich der Natur, das ist der Waterton Lakes National Park.

Freitag, 31. August 2012

Hinaus in die Ebene

Der Abschied aus Jasper und dem gleichnamigen National Park ist verregnet. Dennoch zeigt sich morgens neben der Straße eine Herde Hirsche, Elks nehme ich an, nicht Caribous. So ungezwungen trifft man Tiere nur im Nationalpark, wo sie vor den Jägern sicher sind. Wäre bei uns nicht anders.

Dann geht es aus den Rocky Mountains hinaus, noch rund 300 km bis Edmonton, der Kapitale Albertas, fast ebenso groß wie Calgary, ca. 700.000 EW, im Großraum noch einmal so viele. Für westkanadische Verhältnisse ist das sehr viel. Dazwischen viel hügeliges Waldland, Seen, dann mehr und mehr Weiden und Getreidefelder. Ich nähere mich der Prärie. Vor allem nähere ich mich wieder der Sonne, und es wird langsam wärmer.

Edmonton hat einen schlechten Ruf, besonders auch im Reiseführer: langweilig, gesichtslos, uninteressant. Das kann ich nun ganz und gar nicht finden. Mir hat die Stadt gefallen, besonders die vielen Parks, die sich links und rechts am Saskatchewan River durch die gesamte Stadt ziehen. Man hat dem Fluss weitgehend seinen ursprünglichen Verlauf und auch sein natürliches Ufer gelassen. Auf einem der Fotos sieht man gut die Sandbänke, die bei dem sommerlichen Niedrigwasser hervor kommen. Und Brücken gibt es jede Menge!

Klar, Edmonton, hat keinen gewachsenen Stadtkern, wie die meisten nord-amerikanischen Städte im Westen, es  ist eben eine noch sehr junge "Siedlung", heute Boom Town der Papier, Öl- und Ergasindustrie. Als "Tor des Nordens" wurde sie im Klondike Goldrush berühmt. Ich finde, Edmonton ist einen Besuch wert und hat sich mir heute von seiner besten Seite gezeigt. Vor dem langen Wochenende mit Labour Day ist die City schon ausgestorben: Der Kanadier ist längst mit RV und Trailor auf ins weekend.

Oder in die Edmonton Mall. Dieses Shopping Paradies ist in der Tat sehenswert: eine Mischung aus Freizeitpark, Las Vegas (ohne Kasinos, sofern das vorstellbar ist) und eben einer ganz normalen, aber riesigen Mall. Da war heute absolut der Bär los. (Ich bin nicht mehr in den Rockies, da darf ich diesen Ausdruck wieder unbefangen benutzen...)




Beeindruckend. Eine gute Restaurant-Straße ("Bourbon Street") neben diversen Food Courts gab es auch. Habe eine gute Pizza gegessen. War nett.

Mit dem Auto kommt man wirklich in Edmonton gut zurecht, da die Straßen klar nach Avenues (Ost - West) und Streets (Süd - Nord) sortiert und gezählt sind. Diesmal habe ich mir auch vorher im Hotel draußen Google Maps Offline mit entsprechendem Ausschnitt aufs Schlaufon geladen, das war doch sehr praktisch.

Und morgen gehts dann früh los, die längste Etappe meiner Rundfahrt, 700 km durch die große Ebene der Prärie. Ziel ist der Prince Albert National Park, der vorletzte National Park Kanadas, den ich besuche.

Hier der Link zu allen Fotos dieses Tages.