Freitag, 24. August 2012

On the road

Coast - Caribou - Circle heißt der Highway, auf dem ich heute gefahren bin BC-99 north. North? Schrieb ich gestern nicht east? Eins nach dem anderen, erst mal fahre ich von Vancouver aus ein gutes Stück nach Norden, am Howe Sound entlang den Ocean-Sky-Highway (die haben sich für Olympia 2010 klangvolle Namen einfallen lassen) Richtung Whistler und weiter nach Lillooet. Warum Lillooet? Warum nicht? Ist ein gutes Etappenziel, sonst eigentlich nichts. Aber bis dahin gab es einiges zu sehen.

Der Highway am Fjord entlang bis Squamish ist wirklich eine Paradestrecke, extra für Olympia gebaut, phänomenal als Küstenstraße. Nur die Stops für Aussichtspunkte haben sie vergessen. Erst konnte man nicht anhalten, dann hats geregnet, dann wars vorbei mit der schönen Küstenstrecke, darum gibts davon kaum ein Foto. Dafür hatte ich heute noch etwas Glück mit der Aussicht auf Vancouver, morgens von der Auffahrt zum Cypress Park aus, das hat doch was!

Dann kamen Wasserfälle, steile Granitberge, umwaldete Seen. Nach Whistler ging es einiges bergauf, und für diesen Wintersportort hatte ich mir als Highlight mittags 2 Stunden Zeit genommen. Hätten auch mehr sein können, wenn das Wetter und die Sicht besser gewesen wären und ich mit einer Bergbahn auf einen Gipfel hätte fahren können. Oberstdorf ohne Berge, weil in Wolken, das ist nichts, und dasselbe gilt auch für Whistler. Ich hatte leider sehr mäßiges Wetter, die Berge waren wolkenverhangen. Von Schneebergen und Gletschern wie auf den Werbefotos war nichts zu sehen.

Dafür jede Menge staubbrauner Pisten für Mountain-Biker. Man hatte einige Skipisten einfach zum Biken "downhill" umfunktioniert, "dual use" sozusagen. Man konnte entsprechende Räder und Ausrüstung natürlich mieten, wurde von jungen Leuten reichlich gemacht. Das zu erleben war allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, die zerfurchten Berghänge sahen scheußlich aus, und das ganze Whistler (eine nordamerikanisches Hotelstadt) wirkte auch mehr wie Disneyland denn als ein Bergparadies, wie wir es aus den Alpen kennen. Wanderer gab es so gut wie keine, so weit ich das sehen konnte.

Wandern kann man da im Sommer vielleicht auch nicht, nur mountain-biken. Event. Nervenkitzel. Rafting gabs auch noch. Und unten im "Dorf" steppte der Bär. Ist jetzt auch langes Labour-Day-Weekend in Kanada (eine Woche vor den USA). Whistler hat etwa die Gemütlichkeit von München beim Oktoberfest. Oder von Zermatt ohne Matterhorn. Nichts davon. Andere Länder, andere Sitten, ok, aber vom Wintersport (gruselige Pistenpläne) und einem richtig schönen Bergerlebnis verstehen die Kanadier und Amis nichts. Lake Placid war nicht anders. Drum kommen ja auch so viele von denen so gerne zum Wintersport die Alpen, kein Wunder. Muss man gesehen haben? Na ja, sonst weiß man wirklich nicht, wie hier Bergsportzentren aussehen, hätte ich mir so nicht vorstellen können. Ich gebe zu: Ich hatte Pech, denn von der Bergkulisse sah ich ja nichts. Außer den reinen Nadelwäldern und nackten Felsen. Keine Wiese ("Alm"), kein Laubbaum. Schön ist wirklich anders.

Richtig schön von der Landschaft her wurde es dann hinter Whistler bzw. Pemberton, als es die phänomenale Straße hinauf zum Lake Duffey ging. Das ist schon atemberaubend. Leider hat es hier überwiegend geschüttet wie aus Eimern, so dass ich besonders den legendären Ausblick vom Lake Joffre mit seinem türkisfarbenen Wasser auf die Gletscher darüber nur ahnen konnte, siehe Foto) links oben in der Ecke lugt ein Gletscher vor). Aber diese hoch gelegenen Seen, quasi auf einer Passhöhe mit einiger Erstreckung, sind auch eine Wetterscheide. Dahinter lockerte es zusehends auf, wurde wieder warm und sonnig. Und so konnte ich die Fahrt durch den Cayoosh Creek Canyon hinab nach Lillooet genießen, und das war schon ein starkes Stück Kanada: Unglaublich steile Felsen, tiefe Schluchten, rauschende Wasser, - eine atemberaubende Wildheit. Liebliches darf man da nicht erwarten.

In Lilooet, einem einst bedeutenden Ort aus der Goldrush-Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts, begann damals die wichtige Caribou Road, die die Glücksritter weiter hinauf zum Yukon brachte. Heute sind es die Touristen, die den Caribou Highway bevölkern, aber Lillooet kaum wirklich Geld bringen. Eine fast ausgestorbene Stadt. Es gibt aber mehr als ein Motel und ein Restaurant, und das ist schon sehr viel mehr, als ich erwartet hatte. Als Etappenort ist Lillooet (ein Indianerort mit Tribal Police) willkommen. Morgen verlasse ich aber den Caribou Hwy und wende mich nun wirklich nach Osten, auf die hohen Rocky Mountains zu nach Revelstoke.

On the road, das wird jetzt die nächsten zweieinhalb Wochen mit wenigen Ausnahmen mein Motto sein Der Weg ist das Ziel. Das Auto das Zuhause. Die genaue Planung der Route des nächsten Tages die wichtigste Aufgabe abends im Motel. Gibt da morgen Alternativen, die ich überlege, um doch einen Blick ins Okanagan Valley zu werfen. Wäre etwas weiter...

Mehr Bilder hier im Webalbum

Mittwoch, 22. August 2012

Berge, Wälder und viel Wasser

Das kennzeichnet Vancouver. Am Nordufer ragen gleich dicht bewaldete Berge auf, über 1000 m immerhin direkt von Sealevel. Einer davon, der Grouse Mountain, ist als "Hausberg" mit einer Seilbahn erreichbar (recht teuer), ein anderer ist der Mt. Seymour, mit Straße und also Auto erreichbar. Beide sind etwa gleich hoch, beide bieten eine wunderschöne Aussicht auf die Buchten rund um Vancouver und auf Vancouver selber. Das hat mich natürlich sehr gereizt, aber das Wetter... In Vancouver war es sehr schön sonnig morgens, aber über den Gipfeln im Norden standen Wolken, rückten auch nicht zur Seite. Ich habe zuerst den waldigen Lynn Canyon besucht, ein beliebtes Ausflugsziel dicht an North Vancouver, sehr nett, und habe es dann gewagt, auf den Mt. Seymour zu fahren, 13 km Serpentinenstraße, aber gut für den Wintersport ausgebaut. Da oben ist Skiareal (Doppelmayr baut gerade neu), im Sommer Wandergebiet mit gezeichneten Wegen, weil es ein Provincial Park ist, also keine Wildnis.

Es war oben sehr wenig los, wiewohl ich nicht der einzige war, der sich auf den völlig von Wolken eingehüllten Berg begeben hatte. Es gab sogar zu allem entschlossene Wanderer. Einige Rückkehrer erzählten mir, vorhin sei es mal für Minuten aufgerissen, sei ein toller Blick gewesen. Das motivierte mich, auf den nahen Dinkey Peak zu gehen, einen richtigen steinigen Bergpfad steil hinauf, ca. eine halbe Stunde Weg dort hin. Ich hoffte noch - war aber vergebens. Nichts als Nebel und Wolken, seht selbst das einzige Foto von da oben. Schade, aber nicht zu ändern. Morgen habe ich zu Beginn meiner Weiterfahrt in die Rocky Mountains noch eine neue Chance im Cypress-Park, da soll die Aussicht auch toll sein. Wenn die Wolken es zulassen.

Bin dann wieder zurück nach Vancouver downtown über die Lions Bridge, dreispurig, morgens 2 rein, eine raus, ab mittags 2 raus, eine rein. Ich fuhr genau gegenläufig und erwischte beide Male nur eine Spur = Stau, hielt sich aber in Grenzen. Die Lions-Brücke heißt übrigens so, weil seinerzeit der Lions-Club Vancouver den Bau finanziert hat, für immer mautfrei. Gute Idee, es gibt doch auch bei uns Lions-Clubs...



Den Nachmittag habe ich gemütlich in der Sonne auf Granville Island verbracht, also gerade bei "mir" (downtown) gegenüber, alle 5 Minuten verkehrt eine kleine Personenfähre unten vom Sunset Beach / Aquatic Centre. Da ist immer viel los, ein echter, sehr schöner und üppiger Markt, alle möglichen Lebensmittel und Fressbuden natürlich. Dazu Boutiquen, Restaurants, Freiplätze, Musikanten, viel fröhliches und zufriedenes Volk. Wer hier hin kommt, will es sich einfach gut gehen lassen zwischen den Brücken. Ich habs genossen, zumal noch einmal Pazifikwasser schnuppernd. Denn den Pazifik, der mich die ersten drei Wochen begleitet hat, verlasse ich morgen endgültig. Es geht dann "East" ins Land hinein.

Vancouver ist einfach wunderschön, eine tolle Stadt, nicht zu groß, noch recht übersichtlich, wenig Hektik, viel gutes Leben. Selbst den Pennern scheints hier besser zu gehen als anderswo, wenn sie noch was übrig haben, um Möwen und Tauben zu füttern.

Noch ein Tipp: Fast so angesagt wie Stepho's ist auf Davie's jetzt La Brasserie: klein, man braucht viel Glück für einen Platz, warten lohnt aber!

Die Fotos von heute gibts im schon vorhandenen Webalbum ab Foto Nr. 52, hier der Link zum Google-Webalbum.

Wieder in Vancouver!

Zurück in Vancouver. Halbzeit. Pause. Ein gutes Essen und ein paar Drinks. "Bergfest". Die Hälfte der Reise ist um. Wie die Zeit rast!

Trotz der wunderschönen, sonnigen Überfahrt von Vancouver Island (Nanaimo) nach Horseshoe Bay (Vancouver) hat sich mir die Schönheit der Bergpanoramen (schneebedeckt!) in der Mitte von Vancouver Island nicht enthüllt. Auch meine zweite Chance auf einen schönen Ausblick auf der Rückfahrt von Campbell River nach Nanaimo konnte ich wegen der vielen Wolken, die die ganze Insel einhüllten, nicht nutzen. Nur einmal lugten zwischen den Nebelwolken weiße Spitzen hervor. Es muss ein großartiges Panorama sein!

Abends in Vancouver war es wunderbar sonnig und sommerlich warm. Ich habe es genutzt, war zwar nicht bei "Stepho's" (der Hype um dieses viel gerühmte griechische Lokal besteht immer noch, wie die langen Schlangen abends zeigen), sondern bei einem Griechen daneben, da gabs aber auch gutes Essen und auch Platz. Gefüllt war es aber auch dort gut wie überhaupt in den Lokalitäten auf Davie's. Die Straße hat einfach was, ich liebe sie!

Heute wollte ich mich eher weniger planvoll treiben lassen. Es wurde dann aber doch ein volles Progamm. Zunächst bin ich mit dem Sky Train (so heißt hier die Metro) hinaus nach Metrotown gefahren, schon in Burnaby, dem Nachbarort, gelegen. Dort gibts die "Metropolis" die größte Mall von BC. Ich hatte Lust auf Shoppen und wollte außerdem dem Tipp des Reiseführers folgen, die schöne Aussicht aus dem Sky Train zu genießen, die einem die Stadtrundfahrt erspare. Stimmt auch. - Die Mall ist riesig, aber so richtig hat mich nichts "angesprungen". War also ein billiges Shoppen, nur Gucken. Da ich mit dem Rückfahrticket auch umsteigen kann, entschloss ich mich spontan, von Vancouver Waterfront aus den Sea Bus hinüber nach North Vancouver zu nehmen.

Das war eine gute Sache und ist jedem zu empfehlen: Toller Blick auf den Hafen und die Lions Bridge, zurück dann auf die City. Drüben am Nordufer ist gleich der Lonsdale Quai mit dem sehenswerten Lonsdale Market. Wer bis dahin keinen Hunger hatte: Dort bekommt er ihn, ich war passend zum Lunch da. Dabei überlegte ich mir, doch gleich nach der Rückfahrt nach Vancouver Downtown das Ticket des Sea Bus zur Weiterfahrt mit dem Bus zum Stanley Park zu nutzen. Der Sea Bus ist nämlich ein öffenliches Verkehrsmittel und kostet "2 Zonen", d.h. $ 3,75 je Fahrt. Eine Hafenrundfahrt kostet ein Vielfaches und bietet kaum mehr. Den Sea Bus zu nutzen war ein guter Tipp.

Übrigens erleichtert einem Google Maps und besonders die Local-Funktion die Orientierung in einer fremden Großstadt wunderbar. In einem Starbucks (WiFi) plane ich jeweils die nächsten Schritte, suche den passenden Bus heraus, den Weg zur Haltestelle - wirklich perfekt. Wie hat man das nur ohne Google früher gemacht? Der einmal gewählte Kartenausschnitt bzw. die Route bleibt ja auch ohne Netzverbindung bestehen, das hilft. [Nebenbemerkung: Ich verstehe hier in Vancouver, warum Google sein preiswertes Nexus 7 - Tablet nur mit WiFi ohne UMTS heraus bringt; das wurde ja in Deutschland oft kritisiert. Erkärung: Es ist in einer hiesigen Großstadt (USA, Kanada) wegen der zahllosen WiFi - Netze zum Einloggen schlicht nicht nötig. Fast jedes Lokal, Coffee Shop, Geschäft, Ferry Terminal usw. bietet kostenlos WiFi an. Das geht schon beinahe "seamless". Tolle Sache.]

Ja, ich also Richtung Stanley Park, dort sollte es laut Google Local einen guten Fahrrad-Verleih geben. Es gab deren mehrere. Ich hab mir also ein Rad geliehen (war der Bär los bei den Bike Rentals, ist total angesagt! die Bedienungen waren einige junge Deutsche) und bin um den Stanley Park immer den "Coast Wall" entlang gefahren. Weil das so viele machen, ist der Fahrradweg - Einbahnstraße! also nur gegen den Uhrzeigersinn zu nutzen. War ein tolles Vergnügen! Ich bin dann gleich noch weiter am False Creek entlang gefahren bis zum Stadium bzw. der silbernen Kugel des Science Centres. Da waren zwei Stunden mal richtig Bewegung angesagt, klasse.

Da es heute recht bedeckt ist und auch gerade noch angenehm warm, war das zum Radfahren ideal. Man glaubt es kaum: Vancouver ist total Rad-freundlich, die haben da richtig planvoll was umgesetzt. Überall gibt es auch in der City Bike Routes ausgeschildert, über Nebenstraßen kreuz und quer durch Downtown, an einigen Kreuzungen sogar mit eigener Vorfahrt-Berechtigung, super. An der Küste entlang sowieso. Das war für mich eine neue Entdeckung in Vancouver, kann mich nicht erinnern, dass es das so schon vor 5 Jahren gab. Vancouver - eine Biker City! Beeindruckt mich stark, dieses Vancouver. Kann man gut leben.
Mehr Fotos gibts wieder im Google Webalbum.

Sonntag, 19. August 2012

Stadt der Lachse

Wofür ist Campbell River auf Vancouver Island bekannt? - Für Lachse. Was tut man dort? - Fischen. Was kann man dabei sehen? - Lachse. Gibt es sonst noch etwas in Campbell River? - Nein.

Damit ist eigentlich schon alles erzählt. Nicht ganz, denn ich bin natürlich nicht wegen der Lachse, also wegen  des Rufes (und der Werbung) von Campbell River, die Hauptstadt des Lachsfangs zu sein, hierher gefahren. Guten Lachs kann ich hier überall essen, und Angler bin ich ja nicht. Obwohl es schon eindrücklich ist, dass hier an jedem Fluss, Dock, Wharf oder was immer in Wassernähe ist, geangelt wird. Einen habe ich auch etwas fangen sehen direkt im Campbell River, siehe Foto. Das ist auch die einzige Attraktion, wo man in Campbell River kaum einen Parkplatz bekommt, zumal am Sonntag nicht: an der Straße entlang des Rivers.

Hierher gefahren bin ich eigentlich wegen einiger Abstecher ins Inselinnere. Campbell River, ca. 200 km vor Port Hardy und damit der Nordspitze der Insel, ist für mich der nördlichste Punkt von Vancouver Island, den ich erreiche, denn morgen geht es wieder zurück gen Süden nach Nanaimo, zur Fähre nach Vancouver. Einen ersten Abstecher machen wollte ich zum Mt. Washington, einem der höchsten Berge mit Gipfelbahn und toller Aussicht, im Winter Skiparadies. So steht es im Reiseführer, es sei einer der schönsten Punkte im Zentrum der Insel. Nix da. Heute hat mir das Wetter zum ersten Mal total einen Strich durch die Rechnung gemacht. In Tofino morgens sah es noch recht hell und freundlich aus. Ich hoffte also entsprechend der Vorhersage auf Sonne an der Ostküste. Das Gegenteil war der Fall. Es wurde immer grauer, schließlich nebelig mit Nebelnässen, zumindest abschnittsweise. Besonders in der Nähe der Abfahrt zum Mt. Washington war es besonders scheußlich, gar keine Sicht; der Berg war sowieso nicht zu sehen. Da lohnte auch der Abstecher nicht.

Auch aus dem zweiten Abstecher ins Campbell Valley hinein Richtung Strathcona Park mit den schönen Myra Wasserfällen am Ende wurde nichts. Zeit genug hätte ich für diesen 80 km Trip gehabt, war ja so geplant. Ich habs auch versucht, aber sowie ich die Küstenebene verließ, wurde es gleich wieder düster, nass und nebelig. Also sinnlos. So blieb mir heute nur der Ort Campbell River. Da ist absolut nichts los. Außer Lachsen natürlich.

Ein Restaurant fürs Dinner habe ich auch schon entdeckt, aber weit vom Hotel weg, downtown bzw. was hier so heißt. Hin werde ich laufen, immer am Ufer der Strait of Georgia entlang; die Gewässer werden nun nach Norden immer enger. Denn hier ist es zwar auch grau, aber einigermaßen warm und vor allem trocken. Die Vorhersage für Vancouver ist recht gut, "partly cloudy" mit 23°. Das ist doch schon mal wieder was. Aber der Wetterbericht ist hier grotten schlecht, war auch schon in Alaska so. Ich vermute, den Wetterleuten fehlen hier in der großen Einsamkeit (immerhin ist auch Vancouver Island zum allergrößten Teil pure Wildnis) einfach die Messstationen. Da bin ich an Genauigkeit der Wettervorhersage von zu Hause was anderes gewöhnt. Natürlich kann man auf dem Wetter Channel bzw. im Internet alle Vorhersagen stündlich genau lesen. Stimmt nur selten. Ist jedenfalls bisher meine Erfahrung.

Weil es hier gut passt und ich ohnehin mal Zeit habe, ein Wort zum Thema Umwelt. Erfreulich war es schon in Alaska, dass zumindest für Plastikflaschen und Dosen gesonderte "recycling" Mülleimer angeboten werden. Auch in den Hotels gibt es den "blauen" Papierkorb. Meist steht er aber im Schrank, das sagt eigentlich schon alles. In Kanada ist es deutlich besser. Hier wird recht konsequent Müll getrennt und auf den Schutz der Umwelt Wert gelegt. Man hört es auch im Radio. Heute habe ich auf der Fahrt eine lange Sendung über "climate change" gehört. Selbst dies Wort war in Alaska tabu, konservativ wie die sind. Es wurde nur auf das starke Zurückweichen der Gletscher hin gewiesen, ohne jede Begründung, schicksalhaft halt. Die Ranger im Glacier Bay NP wussten es natürlich besser und genauer, durften aber offiziell nichts anderes sagen. Die Gletscher kommen und gehen. Basta. Das ist in Kanada sehr viel anders und besser, eben europäischer. Ressourcen schonen und Recyclen ist hier sehr angesagt, die Aufklärung in den Nationalparks ist sehr ausführlich, begründet und gut. Menschen gemachter Klimawandel, hier selbstverständlich. Änderung des Verhaltens erforderlich, alles klar.

Anders sieht es aber aus, wenn man an die industriellen Interessen besonders im schönen British Columbia denkt. Mein deutscher Reiseführer (Buch) gibt darüber sehr kritisch Auskunft. Die entscheidende Industrie in BC ist nämlich die "logging industry", also die Holzfällerei. Sie geschieht großflächig, völlig professionell und  ohne Rücksicht auf Schonräume, da, wo es nicht ausdrücklich verboten ist, wie in den Parks. Besonders das "clear logging" ist verheerend, da sehen ganz Berghänge aus wie nach Kyrill bei uns. Habe ich gesehen, sogar entlang des Pacific Rim Highway, also für alle Touristen sichtbar. Man hat ja genug davon, meint man, zerstört aber damit zugleich das gesamte Ökosystem eines Berges oder einer ganzen Region. Es wird nur lückenhaft aufgeforstet: Wächst von alleine, ist die Devise. Die gefällten Baumriesen sind aber hunderte von Jahren alt. Ihr hartes Holz ist besonders begehrt.

In Kanada wächst der Widerstand gegen die Macht der Holzindustrie, lese ich. Aber mach da mal was gegen, wenn wie in BC jeder dritte (!) Arbeitsplatz vom Holz abhängt und die Holzindustrie zu 40 % das Steueraufkommen von BC bestreitet. Dagegen ist schwer anzugehen. Ein Teufelskreis, wie wir ihn anders, aber ähnlich ja auch bei uns kennen. Schutz der natürlichen Ressourcen kommt noch stets zuletzt, besonders wenn kapitalkräftige Unternehmen Gewinne machen und Steuereinnahmen versprechen. Und Arbeitsplätze dran hängen. Kanada ist schön, aber eben auch nicht das Paradies. Da sind die Menschen vor.

Die Fotos von heute als hier im Google Webalbum..

Bären und wilde Küsten am Pazifik

Auf den ersten Blick mag der Pacific Rim Nationalpark nicht so atemberaubend erscheinen, wenn man die Fotos sieht, jedenfalls "erschlägt" er einen nicht. Man mag meinen, so etwas gebe es doch anderswo auch, wenn man schon viele andere attraktive Küsten gesehen hat, zumal wenn das nebelige Wetter heute alles in ein Einheits-Grau getaucht hat. Bei näherem Hinsehen, Hineingehen, Herumgehen, Betrachten entfaltet sich dann allerdings eine ganz eigene Schönheit, die durchaus das Prädikat "großartig" verdient.

Großartig ist der dichte, ursprünglich Regenwald, der direkt bis an die Wasserkante reicht. So habe ich das noch nie gesehen. Ein wenig ähnelt die Küste natürlich dem benachbarten Olympic National Park (USA), auch manchen Küstenabschnitten in Washington State und Oregon. Aber dann wieder doch nicht. Hier ist der riesige Urwald bis dicht an das Wasser alles bestimmend und beeindruckend. Drum liegt hier auch so ungeheuer viel Treibholz herum und findet sich auch massenhaft an den Sandstränden. Nirgendwo sonst ist die Küste schon so nordpazifisch rau und zugleich anmutig; nirgendwo sonst habe ich so viel ursprüngliches Leben - und so viele Bären gesehen. Long Beach ist schon ein toller Strand, und bei entsprechendem Wellengang (heute war trotz Flut kaum Wellengang, wohl Ostwind) muss es auch sehr gewaltig und beeindruckend wirken. Heute aber hatten selbst die Surfer ihre liebe Not mit der schwachen Brandung.

Man muss dabei bedenken, dass dies, was ich gesehen habe und in Fotos zeige, nur der nördliche Abschnitt des Rim Parks ist; sein größerer Teil erstreckt sich gleich im Anschluss an Ucluelet; dort südlich verläuft auch der "marvelous WCT", der West Coast Trail. Ucluelet ist hier sogar der Hauptort, größer als Tofino und weniger durch Touristen und ihren Rummel geprägt. Während Tofino mehr der Ort der Jugend zu sein scheint (Backpacker und Camping), gibt es in Uclelet viele "Residents" und sehr noble Lodges über der dort felsigen Küste. Auch verläuft dort hoch an der felsigen Steilküste der "Wild Pacific Trail", eine Mini-Ausgabe für den Normal-Wanderer oder besser Spaziergänger. Ucluelet hat mir darum fast besser gefallen als Tofino.

Andererseits: Die Bären gibt es scheints nur hier so leicht zu besichtigen. Neun dieser imposanten, im Vergleich zum Grizzly viel kleineren Schwarzbären haben wir am Ufer vom Wasser aus (wie auch sonst) beobachtet, wie sie geschickt Steine umdrehten, um darunter nach Muscheln und Krebsen zu suchen. Sogar ein Muttertier mit Jungem sahen wir. Es war hinreißend! Dazu dann wieder Weißkopf-Seeadler (Bald Eagle) und Seals. Das war ein schöner Morgen, egal wie auch das Wetter war. Abends wurde es sehr stimmungsvoll.

Morgen fahre ich die selbe Straße zur Ostküste zurück, die ich gekommen bin - eine andere gibt es hier ja nicht. Tofino ist "Ende der Welt". Da die Strecke aber so malerisch gebirgig ist. freue ich mich darauf. Dann geht es noch ein Stück weiter hinauf in den Norden dieser herrlichen Insel, immer an der Ostküste von VI entlang bis nach Campbell River, der "Hauptstadt der Lachse". Auf der Fahrt dorthin gibt es noch einiges zu sehen, den Mt. Washington zum Beispiel...

Ist schon eine sehr eindrucksvolle Gegend, ein Biosphären-Reservat der UN dazu. Vancouver Island ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes und hat seinen Ruf zu Recht.
Hier gehts zum Google-Webalbum mit noch viel mehr Eindrücken vom Rim Park.

Freitag, 17. August 2012

Pacific Rim National Park Reserve

So heißt der wunderbare und viel besuchte Nationalpark hier am äußersten westlichen Ende von Kanada, und da bin ich jetzt angekommen, genauer in Tofino. Die Fahrt hierher, 320 km von Victoria (Vancouver Island ist ca. 400 km lang und 60 - 80 km breit - Luftlinie, also ziemlich groß! Tofino liegt ziemlich in der Mitte), war fantastisch, es ging durch Wälder (auch Tree Giants waren wieder dabei, 100 m hohe Douglas-Tannen), an vielen Seen vorbei und über steile und gewundene Straßen die Berge rauf und runter. VI besteht im Westen nur aus Gebirge, teilweise noch schneebedeckt, was der Ostküste wiederum schönes und trockenes Wetter beschert.

Ich konnte nicht viel fotografieren, dazu hätte ich dauernd anhalten müssen. Hier ist eine Menge los, es war auch viel Verkehr, es ist nämlich weekend. Aber der Pacific Rim Highway gehört auf jeden Fall zu den schönsten Strecken auf der Insel, einfach toll. Bis zum letzten Pass waren es noch sommerliche  30°, danach fiel das Thermometer rasch auf angenehme 18°. Die üblichen Nebelschwaden ziehen die Pazifik-Küste entlang. Morgen früh wirds jedenfalls frisch.

Der Pacific Rim National Park Reserve ist einer der meist besuchten Parks an der wilden Pazifik-Küste Kanadas. Der mehrtägige "West Coast Trail" ist so attraktiv und begehrt, dass man den Zugang limitiert hat. Ein "permit" kostet $ 152, dennoch lange Wartelisten. Im Jahr lässt man nur 8000 Wanderer den Weg machen. Da komme ich natürlich nicht hin, zumal ich die Zeit dafür auch gar nicht habe und auch nicht in den südlichen Teil gelange. Ich schnuppere also nur ein bisschen.

Morgen früh gehts zu den Bären, danach an den endlosen wilden Pazifik Strand (Long Beach) des Parks. Damit kein Missverständnis aufkommt: Die Strände hier sind zum Baden weniger geeignet, das Wasser ist viel zu kalt und wild. Es geht um die Landschaft, das Meer, die Wellen!  Die Badeküste ist die Ostküste. Tofino selber, ein vollkommen touristischer Ort, liegt am nördlichen Parkeingang oder besser gesagt -ausgang, denn Tofino liegt am Ende einer nehrungsartigen 50 km langen Halbinsel. Um hin zu gelangen, muss man die einzige lange Straße durch den Park fahren.

Es erinnert vieles, besonders das Gewimmel, an Denali, natürlich in ganz anderer Landschaft. Den Park selber werde ich mir morgen anschauen, denn das "bear watching" beginnt schon um 7 Uhr und endet um 9 Uhr. Da habe ich dann noch den ganzen Tag Zeit.

Hier gibts die Bilder von der Fahrt hierher und die ersten Eindrücke aus Tofino (speisen kann man hier jedenfalls vorzüglich, aber nicht eben billig...) - wie immer im Google-Webalbum.

Donnerstag, 16. August 2012

Sommerliches Victoria


Nun will ich also endlich auch etwas von Victoria selber erzählen und im Webalbum zeigen. Es ist wirklich eine sehr schöne Stadt mit einem fast südlichen Flair. Das gilt besonders jetzt bei den knackigen sommerlichen Temperaturen, die hier herrschen: Heute waren es 30° im Schatten. Da lassen sogar die Krähen und Möven die Schnäbel offen stehen. Downtown um den Hafen herum ist sehr viel touristischer Rummel, da wird alles Mögliche angeboten: Whale- Watching natürlich, Hafenrundfahrten, Rundflüge, Stadtrundfahrten, sonstige Besichtigungen. Großes Gewimmel. Es sind offenbar viele US-Amerikaner hier, die die milde und blumenreiche Insel besuchen, aus Washington State (Seattle), aber auch aus anderen Gegenden. Natürlich auch die Kanadier selber, man hört doch des öfteren Französisch, dieses etwas harte, fast englisch klingende. Das darf man den Quebecois natürlich nicht sagen. Einige Male habe ich auch Deutsch gehört.

Schöner als die überlaufene City finde ich die Umgebung. Besonders der Südosten hat es mir angetan, die Oak Bay. Da war ich gestern und heute auf einen Kaffee. Ist alles nicht weit hier. Sehr malerisch ist eine ca. 25 m lange Straße vom Hafen Downtown an immer an der Küste lang mit vielen malerischen Aussichtspunkten bis Oak Bay und drüber hinaus („Scenic Ocean Drive“). Da fahren zwar auch einige Tourbusse durch, aber die halten kaum an. Dort hat man also Ruhe und kann sehen, wie die Kanadier hier leben. Übrigens sind solche Routen kaum ausgeschidert. Die rechnen hier offenbar vorwiegend mit Bustouristen. Gut beschildert sind die Fahrradrouten, die auch von den Hiesigen eifrig genutzt werden. Das ist ein deutlicher Unterschied zu den USA! Biker sind hier keine Exoten.

Eines steht fest: Die hier ein Haus oder ein „Condo“ (Appartement) haben, die leben nicht schlecht. Es sollen hier sehr viele Zweitwohnsitze von Kanadiern aus Vancouver, ja sogar aus Calgary, bestehen. Fast wie am Mittelmeer. Entsprechend teuer bebaut und gepflegt sind die Hügel und Wälder an der Küste entlang, ein einziges Wohn-Paradies. Sogar eine richtige Badebucht mit Sandstrand gibt es hier (Willow Beach). So lässt es sich auch im sonst so kühl-feuchten Westen Kanadas leben! Victoria hat ein einzigartiges Klima, besonders geschützt gegen die Regenwinde aus Westen, im Sommer wie im Winter sehr mild. Die feuchtere Region der Insel werde ich dann ab morgen in Tofino (Pacific Rim National Park) antreffen. Da sind es jetzt gerade nur 20°. Darum genieße ich heute noch einmal die sommerliche Wärme in Victoria und gehe gleich in Hafennähe schön essen.  Das kann man hier, besonders gut „fish & chips“ - oder "pies".

Ach ja, es sind noch Fotos dabei von einem Ausflug nach Fort Rodd, vor allem wegen des malerischen Ligthouses, und zu den berühmten „Butchart Gardens“. Sie sind zwar eine der Hauptattraktionen der südlichen Insel (30 km von Victoria entfernt) und auch sehr schön angelegt und mit überfließender Üppigkeit, aber touristisch total vermarktet, überlaufen und überteuert. Einerseits „muss“ man sie gesehen haben, um wirklich die üppige Vegetation von Vancouver Island genießen und schätzen zu können, andererseits war ich froh, bald wieder dort weg zu sein. Lieber zur Oak Bay, das Marina Café (Starbuck) hat es mir mit seiner schönen Terrasse angetan! Den Weg dort hin bin ich über Nebenstraßen quer durchs Land gefahren, wunderschön. Da findet man dann auch einen "Red Barn Market", die hier auf dem Land so beliebt sind. Überhaupt gefällt mir die ruhige, fast lässige, immer freundliche Art der Kanadier, die ich hier in Victoria treffe.


So ist hier alles da zum Wohlfühlen!

Und hier noch einmal der Link zu vielen Bildern im Webalbum "Victoria BC"!

Whale watching


Statt vieler Worte nun gleich die Hauptsache: Whale watching - und es gab nun auch Orkas richtig gut zu sehen, viele! Für mich übrigens im 2. Anlauf, nachdem ich vor Jahren von Vancouver aus eine Whale-watching-Tour ohne jeden Erfolg gemacht hatte. Diesmal also: yipeeh!! Wetter war, wie man sieht, einmalig schön, die Sicht ideal, die weißen Berge der Olympic Peninsula und des Mt. Baker über Seattle taten ein Übriges zu dem vollendet gelungenen Meereserlebnis in der Strait of Juan de Fuca.

Die Wale tauchen so alle 5 - 8 Minuten auf, holen dann drei bis viermal Luft, genau dann sieht man sie, und tauchen wieder ab für eine Weile. Für die Fotos hatten wir draußen also mehrere „Tauchgänge“ der Orkas abzuwarten. Manchmal waren sie auch zu weit weg, dann mussten die Boote alle wieder Tempo aufnehmen und ihnen hinterher fahren. Die Wale schienen entweder mit den Beobachtern zu spielen oder, was wahrscheinlicher ist, sich überhaupt nicht drum zu kümmern, dass und wo wir sie sehen wollten. So war also Geduld und ein gutes Näschen der Skipper gefragt, hatten die aber auch nur teilweise. Letztlich war es Glücksache, ob man nahe oder weiter entfernt vom Ort des Auftauchens der Orkas war.

Die schnelle Fahrt zu der Felseninsel mit dem Leuchtturm kurz vor der US-Grenze und mit den vielen Seelöwen, wirklich riesigen und massigen, war dann noch eine schöne Dreingabe. - Es war ein tolles und beeindruckendes Erlebnis, alle diese großen, wilden, schönen Tiere live aus ziemlicher Nähe zu sehen. Wieder ein Highlight!

Hier gibts ALLE FOTOS davon.

Ich weiß, die Bilder und Beschreibung von Victoria selbst bleibe ich weiterhin schuldig, kommt später, wenn es wieder mal regnet ;-) Eine wunderschöne Stadt, ein herrliches Fleckchen Erde zum Verlieben...

Mittwoch, 15. August 2012

Electronic Devices (Update)

Da ich gerade etwas Schwierigkeiten habe, den korrekten Zeitstempel für die Synchronisation meiner Fotos mit den Daten meines GPS-Loggers einzustellen (wie so oft: im Prinzip ganz einfach, trotzdem hat sich bei mir irgendwo ein Fehler eingeschlichen), mal ein paar Worte zur technischen Ausstattung und den damit verbundenen Tücken. Den Bericht über die wunderschöne Überfahrt nach Vancouver Island und den ersten Nachmittag im sonnigen Victoria gibt es zusammen mit weiteren Bildern aus der schönen Capital of BC später.

Es gibt zweierlei Herausforderungen, mit denen man technisch fertig werden muss: der Wechsel der Zeitzonen und die Stromadapter. Aufgeladen werden müssen bei mir regelmäßig, zum Glück nicht alle täglich, der Akku der Kamera, der GPS-Logger, der Notebook-Akku und das Smartphone. Ich habe zwei Adapter für die US / Kanada-Steckdosen. Die sind aber sehr klobig, d.h. für alle möglichen Steckervarianten ausgelegt und brauchen darum immer viel Platz an der Steckdose. Meist muss ich im Hotelzimmer irgendwelche Stromkabel raus ziehen, damit für die Adapter Platz genug da ist. Da mögliche Steckdosen nicht immer leicht erreichbar sind (hinter Tisch / Schrank / Bett), erfordert das immer wieder ein bisschen Tüftelei beim Neubezug eines Zimmers. Nur wenige Hotels boten bisher ausreichend Steckdosen in Schreibtischnähe - ein klares Plus angesichts heutiger "electronic devices". Vor allem das Smartphone, das ich hier sehr viel benutze, um über WiFi ins Internet zu gehen, muss öfter aufgeladen werden. Da war es eine gute Investition, dass ich mir in Alaska gleich ein US-Stromkabel direkt für das Samsung-Smartphone (= micro-USB) gekauft habe. Dieser Bedarf durch Touristen wurde natürlich voll ausgenutzt: 20 Dollar hat mich das blöde Kabel gekostet. Aber es erleichtert vieles, auch um es einfach mal zwischen durch, zum Beispiel am Flughafen, aufladen zu können.Wenn ich es gefunden hätte, hätte ich ein solches US-Kabel auch für mein Notebook gekauft, ich suche noch.

Das mit den Zeitzonen ist auch nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Ich muss dafür die Software meines GPS-Loggers, die Kamera und die Software zur Synchronisation der Fotos mit den GPS-Daten richtig einstellen. Dabei gibt es unterschiedliche Bezugspunkte: UTC oder MEZ, Sommerzeit kommt noch "erschwerend" hinzu. Das Smartphone ist da am einfachsten: es stellt sich automatisch richtig um, wenn es das entsprechende Netz gefunden hat. Man sieht: Meine Kamera plus der GPS-Logger gehören technisch einer veralteten Generation an, sie verfügen nicht über Netz-Synchronisation. Die Umstellung auf die Alaska-Zeit hat sofort geklappt, jetzt mit der einen Stunde vorstellen auf PT (Pacific Time) hat sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen: die Fotos zeigen zur richtigen Kamera- bzw. Fotozeit den falschen GPS-Ort. Sind die GPS-Daten erst einmal falsch in die Fotodaten (EXIF) eingetragen, sollten sich diese zwar theoretisch überschreiben lassen, tun sie aber nicht. Also Fotos auf der Festplatte löschen und erneut "jungfräulich" vom Kamera-Chip laden, sprich: die ganze Prozedur noch einmal von vorne, und diesmal hoffentlich richtig.

Wie sagte einer der Schweizer neulich: Das war früher noch einfach. Da musste man nur zusehen, dass man die vielen belichteten Filme heile nach Hause bekam... :-) Jedenfalls hat man allein mit der Technik niemals Langeweile - und missen möchte ich die dadurch gegebenen Möglichkeiten auch nicht mehr.

Noch ein Nachwort zum Internet: Man braucht tatsächlich keinen teuren Datentarif fürs Mobiltelefon. Das fast überall vorhandene freie WiFi ersetzt es bestens. Gelegentlich ist im Hotel ein Password nötig, das man aber sogleich mit der KeyCard ausgehändigt bekommt. Das ist schon toll. Auch öffentliche Orte verfügen meist über freies WLAN (WiFi). Besonders Starbucks zeichnet sich durch ein sehr gutes stets super schnelles Netz aus. Einmal eingeloggt reicht das für alle Starbucks zumindest bisher in Vancouver und Victoria. Klar, dass dann dieser Coffee-Shop erste Wahl ist... und das Smartphone ein stets wichtiger Begleiter, der Stadtpläne usw. komplett ersetzt. Wo draußen kein Netz ist, benutze ich MapDroid mit OSM-Kartenmaterial. Das ist zumindest hier in BC oft sehr ungenau. Vancouver ist ok, aber die Straßen Downtown Victoria verlaufen laut OSM alle im Hafenbecken. Auch die GPS-Unterstützung lässt zu wünschen übrig. Geht eben nichts über Google Maps.

Hier gibts noch Fotos von der Überfahrt nach VI im  Google Webalbum

Montag, 13. August 2012

Kulturschock in Vancouver

Ich bin nun in Vancouver angekommen und erlebe einen "Kulturschock". Es ist kein Schock, weil ich aus der Wildnis Alaskas nun in Kanada bin, es ist auch nicht der Schock der Großstadt, es ist auch nicht der Schock des fröhlichen Multikulti und Gay-Treibens an der Davie Street. Nein, der Kulturschock ist viel größer und trifft mich viel härter: Es ist SOMMER, es ist HEISS, man läuft in Shorts und T-Shirt rum und SCHWITZT, WOW :-)

Vancouver ist wirklich eine quirlige Stadt. Mich irritieren etwas die vielen neuen Glastürme mit Appartements, die überall in Downtown hoch geschossen sind, vor allem auf der Harbour-Seite im Norden und Westen von Downtown. Da ist auch nach Olympia noch einiges entstanden. Nur die Davie Street ist bunt und fröhlich wie damals 2007, als ich das erste Mal hier war. Übrigens habe ich bewusst wieder "harbour" geschrieben und nicht "harbor", denn hier ist nicht mehr US-Amerika, hier wird britisch gesprochen und geschrieben: Es heißt drum auch City Centre (nicht Center), und im Lokal verlangt man zum Bezahlen "the bill please" (nicht "check please"). Es sind nur Kleinigkeiten, sie zeigen aber etwas an. Kanada hebt sich doch signifikant ab von den USA, offenbar ganz bewusst. Man pflegt das britische Erbe und ist sehr bewusst "Canadian". Es fühlt sich wie ein etwas mehr europäisches Amerika an. Aber nein, es ist doch noch anders, eben Kanada!

Zu Vancouver will ich heute ansonsten nichts weiter schreiben. Natürlich gehe ich an den Sunset Beach an der English Bay, meinem liebsten Ort in Vancouver. Vielleicht stelle ich später noch ein Foto ein. Ich komme in einer Woche hierher zurück und bin dann auch 3 Nächte in Vancouver. Dann ist Zeit, die Stadt mehr zu entdecken, zu genießen und davon zu erzählen. So viel vorweg: Es gefällt mir wieder ausgezeichnet hier! Morgen fahre ich mittags mit der BC-Fähre von Tsawassen (südlich von Vancouver) hinüber nach Vancouver Island, nach Victoria. Das soll die britischste Stadt Kanadas sein, bin gespannt. Auftakt zu Vancouver Island!

Ein paar Fotos mehr gibt es noch im Google Webalbum.

Alaska Marine Highway - Traumtour

Alaska Marine Highway - Schiffstagebuch
M/V Taku

Freitag, 10.08., 20 Uhr


Nun befinde ich mich seit ein paar Stunden auf dem Schiff „Taku“, benannt nach einer Indian Nation hier. Es ist toll, einfach toll. Entgegen den Voraussagen ist das Schiff keineswegs voll, nur alle Kabinen sind belegt, aber das sind nicht so viele. Man hat überall jede Menge Platz. Es gibt bequeme Liegesitze drinnen, wo es warm ist, aber auch Liegen auf dem überdachten Teil des Sonnendecks, wo oben Heizstrahler angebracht sind. „Wir“ sind zusammen vorerst noch 6 - 8 Personen, die dort zu übernachten beabsichtigen. Ich gehöre dazu, dafür habe ich mir für $ 3 eine Wolldecke samt Kopfkissen besorgt, dazu alle verfügbaren Jacken mit genommen. Ich probier's, weil es der schönste Schlafplatz sein würde, den man sich denken kann: Mit direktem Blick auf die Wasserstraße, auf die Berge und Inseln, auf den Nachthimmel. Es ist teilweise klarer Himmel, das lässt andererseits für die Temperatur nichts Gutes erwarten. Ich kann aber jederzeit nach drinnen gehen auf einen der Schlafsessel. 

Mit den Reisenden ist man schnell in Kontakt und unterhält sich, wer und woher und wohin man unterwegs ist. Sehr viele Amerikaner, die ich treffe, haben deutsche Wurzeln oder waren sogar eine Zeit lang in Deutschland. Man darf also die Bedeutung der Stationierung von US-Streiträften als NATO-Truppen in Deutschland für das Deutschlandbild der Amerikaner bis auf diese Tag nicht unterschätzen: Viele US-Bürger kennen nur deswegen Deutschland - und finden es total gut, haben beste Erinerungen daran. Ein älteres Ehepaar, mit dem ich gleich länger ins Gespräch kam (sie wollen ebenfalls auf dem Deck nächtigen, sind aber ganz professionell mit Schlafsäcken ausgestattet, kein Wunder, aus ihrem Camper unten auf dem Autodeck), entpuppte sich als halb deutsch: Antje ist in Bad Rothenfelde bei Osnabrück groß geworden und hat dann die Liebe ihres Lebens gefunden in einem Amerikaner. Seit 1969 lebt sie nun in den USA, spricht aber noch fast fließend deutsch. Ein anderer älterer US-Reisender, Leeman, erzählte mir von seinen deutschen Urgroßeltern und der deutschen Familienbibel, die sie bis vor kurzem in der Familie hatten, bis ein Tornado Haus und Bibel zerstörten. Aber er sagte, ihn interessiere sein deutsches Erbe zunehmend, je älter er werde.

Dann die Story, wie ich nun zum Ferry Port (Fährhafen) gelangt bin. Es war vom Wetter her ein recht schöner Tag, darum war ich vormittags mit der Tramway (Seilbahn) auf den Mt. Roberts gefahren, toller Ausblick über Juneau und den Fjord. Mittags entschloss ich mich dann, es preiswert ($ 2) mit dem Bus zu wagen, denn die Bushaltestelle lag nur wenige Minuten vom Hotel entfernt; im Regen wäre es mir mit dem Gepäck allerdings zu weit gewesen. Ich hatte die Möglichkeit heraus gefunden, mit einem Express-Bus von der City zum Flughafen zu fahren, um dort eine Taxe zum Fährhafen zu nehmen, einen Bus dorthin gibt es nicht. Der besagte Expressbus hielt allerdings nicht am Busbahnhof, sondern irgendwo um die Ecke. Am Busbahnhof stand gerade ein Bus mit offener Fahrertür, und ich fragte den Busfahrer (ca. 50 Jahre alt), wo genau die Haltestelle für den Expressbus sei. Er zeigte es mir, fragte mich dann, ob ich Deutscher wäre. Als ich bejahte, sagte er mir, ich solle ruhig einsteigen und ein Stück mit ihm fahren in die gewünschte Richtung, er würde mich dann schon passend für den Airport-Expressbus raus lassen. Vor allen Dingen aber wollte er mir erzählen, dass er vor vielen Jahren bei Würzburg stationiert war und dabei in der Alten Pinakothek in München ein tolles Gemälde gefunden habe (er beschrieb es mir), dessen Maler er aber leider vergessen habe. Er würde den Namen zu gerne wieder wissen, ob ich das Bild vielleicht kennte oder wenigstens den Künstler ausfindig machen könnte? Er schrieb mir gleich seine Email-Adresse plus seine Webalben bei Flickr auf, denn Fotograf war er auch noch. Und das alles im Bus zwischen den Haltestellen! Es ist einfach unglaublich, welche Kontakte man auf einmal bekommt, wenn man sich abseits der Touristenpfade bewegt. Ich saß im Bus übrigens neben einem älteren Kauz, dessen Kaffee ich versehentlich mit meinem Rucksack verschüttet hatte. So kamen wir ins Gespräch, als der Busfahrer sich gerade um einen Rollstuhlfahrer kümmern musste, der in den Bus wollte. Der alte Kauz - ich wurde erst nicht ganz schlau aus ihm, bis ich checkte, dass er ständig bärbeißig Jokes machte - war mit einer Deutschen (!) verheiratet. Also wieder das Thema Deutschland. Er ereiferte sich über die amerikanischen NAZIs und fand es empörend, dass sie in den USA, seinem Heimatland, ungestört agitieren könnten. „In Germany they were thrown into prison, and there they had to be.“ Konnte ihm nur zustimmen.

Jetzt also auf dem netten Schiff, gemütlich und übersichtlich, in den Abend und die Nacht hinein. Einige Wale sind schon an uns vorbei gezogen. Habe sie zu fotografieren verpasst, weil ich gerade beim Abendessen war - na was wohl: Lachs, diesmal sautiert auf Gemüse mit mashed potatoes und gravy. So billig und gut habe ich in Alaska noch nirgendwo gegessen wie hier auf dem Schiff. Hier ist übrignes „tippen“ (Trinkgeld geben) ausdrücklich verboten, ungewöhnlich für die USA, aber angenehm. Gleich will ich mal in die Bar und mir ein Bier genehmigen. Es verspricht, eine schöne, aufregende und unterhaltsame Schiffsreise zu werden. Alaskan Marine Highway - ein Geheimtipp, Todd (aus Peru) sei Dank!

Samstag, 11.08., 8 Uhr

Das war eine abenteuerliche Nacht! Zunächst habe ich also in der Bar ein Bier getrunken. Dabei entspann sich ein Gespräch zunächst mit dem Maschinisten (der natürlich nur Wasser und Cola trank), der ein solch astreines, klares Englisch sprach, wie ich es in Alaska nie gehört habe. Alaskan american English ist etwas gewöhnungsbedürftig: sehr gepresst und immer die Silben bzw. Vokale verschluckend. Ob der Ranger nun vom „park“ oder „port“ sprach, klang völlig gleich, nämlich „pr’g/d“. Die Bedeutung muss man (ich) oft erschließen. Also der Maschinist kam aus Minnesota, natürlich mit deutschen Wurzeln. Er selber könne nur wenig deutsch, habe aber etwas „technisches Deutsch“ lernen müssen, denn die Maschine (der Motor) dieses Schiffes sei aus Deutschland, „and the manual is only in German“. „Wasserdruck“, Öldruck“, „Ölwanne“ - das konnte er alles. Er erzählte dann noch viel von seiner Leidenschaft: Bären beobachten; er erzählte, wo überall auf welchen Inseln, die wir gerade passierten, wieviele Bären lebten, dass sie derzeit dick und voll gefressen seien, wie es ihnen hier bei so viel Lachs entsprechend gut gehe. Sie fressen nach einer Weile nur noch die nahrhaften Fischköpfe (Hirn) und schleudern den restlichen Lachs einfach weg. Den könne man dann in nahen Ästen hängen sehen, wo ihn sich die Bald Eagle (Weißkopf-Seeadler, US-Wappentier) holten. Er habe Fotos von den halben Lachsen in den Ästen. Hätte ich diese Geschichte nicht schon einmal in einer TV-Doku gesehen, hätte ich sie glatt für Seemannsgarn gehalten.

Dann ging er, und ich kam mit einem schon leicht beschwipsten Paar aus Australien ins Gespräch. War sehr lustig. Wir tauschten aus, was sie und ich alles von Australien kannten. Broome zum Beispiel kannten sie noch nicht, hab ich ihnen empfohlen. Sie leben 300 km westlich von Sydney; das ist in Aussieland „nah“. Da saßen wir also in der Dämmerung, sahen auf die vorbei ziehenden Inseln und Wälder Südalaskas und erzählten uns von Australien, von der tropischen Hitze in Darwin und von den Tropfsteinhöhlen bei Margret River... very strange!

Ich hab mich dann bald hingelegt, draußen also, mit Wolldecke und Kopfkissen und allen Jacken gut eingepackt. Das ging auch recht gut und war warm genug, störend war unter der Überdachung nur das laute Geräusch der Maschine. Nun, irgendwann bin ich doch eingeschlafen. Aber am frühen Morgen - es hatte zu regnen begonnen - wurde es doch unangenehm kalt, besonders von unten. Da bin ich dann „umgezogen“ und habe mir eine Etage tiefer in den warmen Räumen mit den Liegesitzen ein Plätzchen gesucht, war kein Problem zu finden. Platz ist genug, obwohl wir morgens um 3 Uhr im zweiten Hafen unserer Reise, Sitka, draußen auf einer Insel vorm offenen Pazifik gelegen, angelegt hatten. Das dauert immer eine Weile, war aber prima, weil da die Maschine still war. Ich habe mich dann wie die anderen dort auch, zwischen eine Sesselreihe mit meiner Decke und dem Kopfkissen auf den Teppichboden gelegt und wunderbar weiter geschlafen: warm und kuschelig, und hier drinnen wirkte das Motorengeräusch eher leise und einschläfernd.

Jetzt habe ich gut gefrühstückt; die Bordkantine ist super: Gewählt habe ich frisch gebackene Reibekuchen mit Apfelmus und Sourcreme sowie Würstchen. Ja, so lieben sie es hier, war das Angebot des Tages, muss man machen. Beim Essen ist es klug, der Meute zu folgen, entsprechend meinem Prinzip, an unbekannten Orten stets das vollste Restaurant zu wählen. Gestern im Hotel war ich nämlich nicht so klug und habe „cereals, fruit and yoghurt“ à la carte bestellt. Das dauerte endlos, die Bedienung verstand erst gar nicht, was ich meinte. Da stand mein Entschluss fest: Nur noch das typisch Amerikanische bestellen, bzw. das Kanadische demnächst. ( Für Dennis:) Blueberry pancakes wie in Neuengland sind hier leider eher selten, schade!

Nun sitze ich also drinnen, schaue in den Regen aufs Wasser und hoffe, dennoch ein paar Wale zu Gesicht zu bekommen - und mehr als nur deren Blast. Denen dürfte der Regen ja egal sein. Den nächsten Hafen Petersburg erreichen wir erst nachmittags gegen 5 Uhr. Davor soll es eine landschaftlich besonders reizvolle Passage geben. Aber reizvoll ist eigentlich die gesamt Gegend, die wir durchfahren; wilde Wälder und Wasser. Und total reizvoll ist diese Schiffsfahrt mit der Ferry, really!

Samstag, 11.08., 19 Uhr

Der heutige Tag ist leider wenig spektakulär verlaufen bisher. Durch all das Grau der tief liegenden Wolken, die immer wieder kräftigen Regen ausschütteten, war draußen wenig bis gar nichts zu erkennen, weder Berge noch Wale. Gerade fahren wir durch den landschaftlich attraktivsten Teil der Inside Passage kurz vor Petersburg. Ein wenig hat es eben mal aufgehellt, so dass man die herrliche Kulisse der weißen Bergwelt erahnen kann, die hier links und rechts den Sund säumt, sogar ein bisschen blauen Himmel gab es kurz, dann wieder Regen - und nun gerade erscheint ein Regenbogen - und verändert alles.

Der Himmel reißt auf, blaue Löcher sind zu sehen, die Sonne blinzelt hervor, und dann sind da auch die Berge und Gletscher zu sehen, Wahnsinn, eine tolle Kulisse. Wir fahren inzwischen in die Bucht von Petersburg ein, eine nett aussehende kleine Stadt mit vielen bunten Häusern: Gründung von Norwegern, der Stil wurde durchgehalten. Hier verlassen viele Passagiere das Schiff, und neue kommen hinzu, ein größerer Wechsel, auch Anja und Bill gehen hier von Bord mit ihrem Camper. Man kann die Insel, auf der Petersburg liegt, offenbar gut mit dem Auto erkunden und dann in zwei Tagen die nächste Fähre zur Weiterfahrt nutzen. Hop-off, hop-on auch mit dem Auto kostet nichts extra.

Das plötzlich veränderte, doch sehr viel freundlicher gewordene Wetter lässt auch die Lebensgeister der Reisenden wieder erwachen, man trifft sich auf dem Sonnendeck zum Fotografieren - und schon gibt es wieder neue Kontakte. Zwei jüngere Männer, sehr professionell ausgestattet, die Brüder sein könnten, entpuppen sich als Schweizer. Sie haben eine Hikingtour in einer kleinen geführten Gruppe mit Zeltübernachtungen in einem der vielen Nationalparks in Alaska gemacht und das Land bis über Fairbanks hinaus mit einem Mietauto erkundet. Sie sind schon drei Wochen unterwegs und wollen nun noch nach Vancouver Island, wie ich ja auch, um dann noch einmal mit einer Abschlusswoche auf Hawaii Wärme zu tanken. Das einzuplanen ist von den beiden eine sehr gute Idee; ich hatte sie auch, habe sie aber verworfen - warum eigentlich? Anyway. - Ein weiteres Paar (m/w) stößt dazu, auch diese beiden sind, wie ich erst jetzt merke, Schweizer, übrigens gar nicht weit von den beiden anderen bei Winterthur entfernt wohnhaft, kannten sich aber nicht. Da wir alle fotografieren, wird eine Menge gefachsimpelt über die Ausstattung, die Speicherung, das Bearbeiten der Fotos usw. Von wegen langweiliger Tag, er wird erst zum Abend hin richtig lebendig.

Dann nehme ich Kontakt auf zu einem sehr jungen Mann, Anfang 20 vielleicht, der mir schon von Juneau an aufgefallen ist, weil es ein „Backpacker“ ist, der sich sein Essen auf dem Deck auf einem kleinen Gaskocher selber zubereitet. Ich hatte ihn für einen Amerikaner gehalten, weil er recht flüssig Englisch spricht, nun aber merke ich, dass er doch einen sehr europäischen Akzent hat. Ein junger Franzose! Er macht mit geringsten Geldmitteln eine Reise durch Alaska und Kanada per Anhalter, im Zelt, wird hernach in Kanada für ein paar Wochen auf einer Farm arbeiten, um sich Geld für die Weiterreise zu verdienen. Wo er noch hin kommt, weiß er noch gar nicht, auch nicht wie lange er noch unterwegs sein wird. Nur vor dem Wintereinbruch, da will er doch wieder zu Hause sein. Mutiger Typ, ganz jung, ganz allein unterwegs, total offen und freundlich und begierig auf Neues und Erlebnisse auf einem fremden Kontinent.

Ich habe gegessen, wieder sehr gut und preiswert, gekochten „Cod“ (Kabeljau) in Spinatblätter gerollt, dazu Reis, mmh. Ist Alaska ansonsten auch sauteuer, die Fähre und ihre Küche ist es nicht: eine sehr reelle Sache. Wir gleiten durch eine sehr enge kanalartige Meeresstraße weiter Richtung Süden. Es wird wärmer, aber der Tag wird auch deutlich kürzer. In Prince Rupert morgen wird dann die Uhr wieder eine Stunde vorgestellt. Aber zunächst einmal bin ich gespannt, was noch der Abend bringt.

 

Sonntag, 12.08., 9:30 Uhr

Heute Morgen um 7 Uhr in Ketchikan war es noch sehr nebelig und feucht, aber jetzt auf der Weiterfahrt nach Süden über die US- Kanada-Grenze bis Prince Rupert scheint zum ersten Mal während der Passage richtig die Sonne. Die Meeresstraße weitet sich immer mehr zu einer großen Bucht (hier kann es dann auch etwas Dünung geben), ehe nahe Prince Rupert wieder Inseln schützend vor das Festland treten. Fast etwas traurig schreibe ich diese letzten Zeilen auf dem Schiff, denn in gut vier Stunden sind wir schon da, und damit geht eine unvergleichlich schöne Erfahrung in der Inselwelt Südalaskas zu Ende.

Gestern Abend war es in der Bar mit den beiden Schweizern noch sehr anregend. Sie arbeiten in einer Firma gemeinsam als Elektriker und konnten den Chef zu einem solch langen Urlaub bewegen, denn sie sind auch mehrere Wochen unterwegs. Sie wechseln in Prince Rupert - nach einer Nacht an Land - die Fähre und fahren mit den BC Ferries weiter nach Port Hardy an der Nordspitze von Vancouver Island. Das hatte ich auch erwogen, aber es sind noch einmal fast 20 Stunden Schiffsfahrt. Ich werde dann morgen, Montag, nach Vancouver fliegen, dort das Auto für die gesamte restliche Zeit übernehmen und dann am Dienstag übersetzen nach Vancouver Island. In der schönen Hauptstadt der Insel, Victoria, werde ich erstmal drei Nächte „Pause“ haben. Uff.

Ich bereue ein bisschen, Alaska nur so kurz als Auftakt besucht zu haben. Es wäre eine eigenständige längere Reise wert gewesen. Ich beginne dann mit Vancouver den zweiten, größeren Teil meiner Reise durch Kanada, erst Vancouver Island, dann der Westen mit den berühmten Nationalparks in den Rocky Mountains. Aber bis dahin ist es ja noch ein wenig Zeit. Immerhin geht mit Alaska das erste Drittel meiner Reise zu Ende, schnief :-(

Umso mehr genieße ich jetzt nach einem guten Frühstück die teils sonnige, zumindest lichte Zeit auf dem Oberdeck („Sonnendeck“), werde nachher noch einen guten Lunch habe, ehe es dann um 2 Uhr pm Alaska-Zeit, um 3 Uhr pm Pacific Time (daylight, d.h. -9 Stunden von Deutschland aus) in Prince Rupert von Bord geht. Auf die Dusche im Hotel freue ich mich allerdings schon jetzt. Die Nacht war aber prima, habe im Warmen auf weicher Decke auf dem Teppichboden wunderbar geschlafen. Kabine braucht es nicht. Das Schiff hat sich schon geleert, denn in Prince Rupert endet die Route „South Alaska Southbound“. Eine tolle Strecke ist das, eine wundervolle Erfahrung war das, kann ich jedem nur empfehlen!

 

Abends am Sonntag, 12.08.

Gut gebadet (hatte ein kostenloses Upgrade im Hotel, Badezimmer mit Jacuzzi, kam gerade recht!), leicht gegessen (Oysters) und gut getrunken (canadian ale), auch einige Sachen ausgewaschen, lasse ich nun den Abend der wunderschönen Fährreise der inside passage und der Alaskatour insgesamt ausklingen. Mir kommen immer wieder einige Begegnungen in den Sinn mit Menschen, mit denen man auf das Passage Worte gewechselt oder auch mal länger gesprochen hat, ohne dass ich sie hier alle aufzählen könnte. Habe auf dem Schiff bei der Einfahrt in die Bucht von Prince Rupert wieder mal eine Weile mit „unserem“ alten Whale-Watcher gesprochen. Er saß in Nebel und Regen mit gutem Fernglas bewaffnet fast die ganze Tageszeit der Fährfahrt von Juneau an bis Prince Rupert auf dem Deck und suchte das Wasser nach Zeichen von Walen ab: Hier ein Blow, dort eine Flosse. Seine Frau frage ihn öfter, sagte er, was er denn die ganze Zeit auf dem Oberdeck mache. „I watch whales, it is my daywork.“ Auch er kannte Deutschland, weil er dort eine Zeit lang stationiert war, hat ihm gefallen, dann ist er einige Jahre auf einem Flugzeugträger der US-Navy auf dem Atlantik gefahren, und nun hat er ein Haus in Oregon mit weitem Blick auf den Himmel und die Sterne und mit völliger Ruhe, nur die Tiere höre er über das Jahr. Er wirkte rau und direkt, war aber eigentlich ein ganz lieber Kerl und sensibler Freund der Natur und des einfachen Lebens. Hat mir imponiert. Wir haben uns herzlich verabschiedet.

So wie ich nun dieses großartige Alaska verabschiede, müde ins richtig weiche Bett falle und dann morgen früh zu neuen Erlebnissen aufbreche. Kanada ruft!
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P.S.: Ich habe keine Fotos in dieses "Schiffstagebuch" eingebunden, es gibt sie aber reichlich bei Google Photos im Netz, hier der Link zum Album AMH-Ferry.