Montag, 13. August 2012

Alaska Marine Highway - Traumtour

Alaska Marine Highway - Schiffstagebuch
M/V Taku

Freitag, 10.08., 20 Uhr


Nun befinde ich mich seit ein paar Stunden auf dem Schiff „Taku“, benannt nach einer Indian Nation hier. Es ist toll, einfach toll. Entgegen den Voraussagen ist das Schiff keineswegs voll, nur alle Kabinen sind belegt, aber das sind nicht so viele. Man hat überall jede Menge Platz. Es gibt bequeme Liegesitze drinnen, wo es warm ist, aber auch Liegen auf dem überdachten Teil des Sonnendecks, wo oben Heizstrahler angebracht sind. „Wir“ sind zusammen vorerst noch 6 - 8 Personen, die dort zu übernachten beabsichtigen. Ich gehöre dazu, dafür habe ich mir für $ 3 eine Wolldecke samt Kopfkissen besorgt, dazu alle verfügbaren Jacken mit genommen. Ich probier's, weil es der schönste Schlafplatz sein würde, den man sich denken kann: Mit direktem Blick auf die Wasserstraße, auf die Berge und Inseln, auf den Nachthimmel. Es ist teilweise klarer Himmel, das lässt andererseits für die Temperatur nichts Gutes erwarten. Ich kann aber jederzeit nach drinnen gehen auf einen der Schlafsessel. 

Mit den Reisenden ist man schnell in Kontakt und unterhält sich, wer und woher und wohin man unterwegs ist. Sehr viele Amerikaner, die ich treffe, haben deutsche Wurzeln oder waren sogar eine Zeit lang in Deutschland. Man darf also die Bedeutung der Stationierung von US-Streiträften als NATO-Truppen in Deutschland für das Deutschlandbild der Amerikaner bis auf diese Tag nicht unterschätzen: Viele US-Bürger kennen nur deswegen Deutschland - und finden es total gut, haben beste Erinerungen daran. Ein älteres Ehepaar, mit dem ich gleich länger ins Gespräch kam (sie wollen ebenfalls auf dem Deck nächtigen, sind aber ganz professionell mit Schlafsäcken ausgestattet, kein Wunder, aus ihrem Camper unten auf dem Autodeck), entpuppte sich als halb deutsch: Antje ist in Bad Rothenfelde bei Osnabrück groß geworden und hat dann die Liebe ihres Lebens gefunden in einem Amerikaner. Seit 1969 lebt sie nun in den USA, spricht aber noch fast fließend deutsch. Ein anderer älterer US-Reisender, Leeman, erzählte mir von seinen deutschen Urgroßeltern und der deutschen Familienbibel, die sie bis vor kurzem in der Familie hatten, bis ein Tornado Haus und Bibel zerstörten. Aber er sagte, ihn interessiere sein deutsches Erbe zunehmend, je älter er werde.

Dann die Story, wie ich nun zum Ferry Port (Fährhafen) gelangt bin. Es war vom Wetter her ein recht schöner Tag, darum war ich vormittags mit der Tramway (Seilbahn) auf den Mt. Roberts gefahren, toller Ausblick über Juneau und den Fjord. Mittags entschloss ich mich dann, es preiswert ($ 2) mit dem Bus zu wagen, denn die Bushaltestelle lag nur wenige Minuten vom Hotel entfernt; im Regen wäre es mir mit dem Gepäck allerdings zu weit gewesen. Ich hatte die Möglichkeit heraus gefunden, mit einem Express-Bus von der City zum Flughafen zu fahren, um dort eine Taxe zum Fährhafen zu nehmen, einen Bus dorthin gibt es nicht. Der besagte Expressbus hielt allerdings nicht am Busbahnhof, sondern irgendwo um die Ecke. Am Busbahnhof stand gerade ein Bus mit offener Fahrertür, und ich fragte den Busfahrer (ca. 50 Jahre alt), wo genau die Haltestelle für den Expressbus sei. Er zeigte es mir, fragte mich dann, ob ich Deutscher wäre. Als ich bejahte, sagte er mir, ich solle ruhig einsteigen und ein Stück mit ihm fahren in die gewünschte Richtung, er würde mich dann schon passend für den Airport-Expressbus raus lassen. Vor allen Dingen aber wollte er mir erzählen, dass er vor vielen Jahren bei Würzburg stationiert war und dabei in der Alten Pinakothek in München ein tolles Gemälde gefunden habe (er beschrieb es mir), dessen Maler er aber leider vergessen habe. Er würde den Namen zu gerne wieder wissen, ob ich das Bild vielleicht kennte oder wenigstens den Künstler ausfindig machen könnte? Er schrieb mir gleich seine Email-Adresse plus seine Webalben bei Flickr auf, denn Fotograf war er auch noch. Und das alles im Bus zwischen den Haltestellen! Es ist einfach unglaublich, welche Kontakte man auf einmal bekommt, wenn man sich abseits der Touristenpfade bewegt. Ich saß im Bus übrigens neben einem älteren Kauz, dessen Kaffee ich versehentlich mit meinem Rucksack verschüttet hatte. So kamen wir ins Gespräch, als der Busfahrer sich gerade um einen Rollstuhlfahrer kümmern musste, der in den Bus wollte. Der alte Kauz - ich wurde erst nicht ganz schlau aus ihm, bis ich checkte, dass er ständig bärbeißig Jokes machte - war mit einer Deutschen (!) verheiratet. Also wieder das Thema Deutschland. Er ereiferte sich über die amerikanischen NAZIs und fand es empörend, dass sie in den USA, seinem Heimatland, ungestört agitieren könnten. „In Germany they were thrown into prison, and there they had to be.“ Konnte ihm nur zustimmen.

Jetzt also auf dem netten Schiff, gemütlich und übersichtlich, in den Abend und die Nacht hinein. Einige Wale sind schon an uns vorbei gezogen. Habe sie zu fotografieren verpasst, weil ich gerade beim Abendessen war - na was wohl: Lachs, diesmal sautiert auf Gemüse mit mashed potatoes und gravy. So billig und gut habe ich in Alaska noch nirgendwo gegessen wie hier auf dem Schiff. Hier ist übrignes „tippen“ (Trinkgeld geben) ausdrücklich verboten, ungewöhnlich für die USA, aber angenehm. Gleich will ich mal in die Bar und mir ein Bier genehmigen. Es verspricht, eine schöne, aufregende und unterhaltsame Schiffsreise zu werden. Alaskan Marine Highway - ein Geheimtipp, Todd (aus Peru) sei Dank!

Samstag, 11.08., 8 Uhr

Das war eine abenteuerliche Nacht! Zunächst habe ich also in der Bar ein Bier getrunken. Dabei entspann sich ein Gespräch zunächst mit dem Maschinisten (der natürlich nur Wasser und Cola trank), der ein solch astreines, klares Englisch sprach, wie ich es in Alaska nie gehört habe. Alaskan american English ist etwas gewöhnungsbedürftig: sehr gepresst und immer die Silben bzw. Vokale verschluckend. Ob der Ranger nun vom „park“ oder „port“ sprach, klang völlig gleich, nämlich „pr’g/d“. Die Bedeutung muss man (ich) oft erschließen. Also der Maschinist kam aus Minnesota, natürlich mit deutschen Wurzeln. Er selber könne nur wenig deutsch, habe aber etwas „technisches Deutsch“ lernen müssen, denn die Maschine (der Motor) dieses Schiffes sei aus Deutschland, „and the manual is only in German“. „Wasserdruck“, Öldruck“, „Ölwanne“ - das konnte er alles. Er erzählte dann noch viel von seiner Leidenschaft: Bären beobachten; er erzählte, wo überall auf welchen Inseln, die wir gerade passierten, wieviele Bären lebten, dass sie derzeit dick und voll gefressen seien, wie es ihnen hier bei so viel Lachs entsprechend gut gehe. Sie fressen nach einer Weile nur noch die nahrhaften Fischköpfe (Hirn) und schleudern den restlichen Lachs einfach weg. Den könne man dann in nahen Ästen hängen sehen, wo ihn sich die Bald Eagle (Weißkopf-Seeadler, US-Wappentier) holten. Er habe Fotos von den halben Lachsen in den Ästen. Hätte ich diese Geschichte nicht schon einmal in einer TV-Doku gesehen, hätte ich sie glatt für Seemannsgarn gehalten.

Dann ging er, und ich kam mit einem schon leicht beschwipsten Paar aus Australien ins Gespräch. War sehr lustig. Wir tauschten aus, was sie und ich alles von Australien kannten. Broome zum Beispiel kannten sie noch nicht, hab ich ihnen empfohlen. Sie leben 300 km westlich von Sydney; das ist in Aussieland „nah“. Da saßen wir also in der Dämmerung, sahen auf die vorbei ziehenden Inseln und Wälder Südalaskas und erzählten uns von Australien, von der tropischen Hitze in Darwin und von den Tropfsteinhöhlen bei Margret River... very strange!

Ich hab mich dann bald hingelegt, draußen also, mit Wolldecke und Kopfkissen und allen Jacken gut eingepackt. Das ging auch recht gut und war warm genug, störend war unter der Überdachung nur das laute Geräusch der Maschine. Nun, irgendwann bin ich doch eingeschlafen. Aber am frühen Morgen - es hatte zu regnen begonnen - wurde es doch unangenehm kalt, besonders von unten. Da bin ich dann „umgezogen“ und habe mir eine Etage tiefer in den warmen Räumen mit den Liegesitzen ein Plätzchen gesucht, war kein Problem zu finden. Platz ist genug, obwohl wir morgens um 3 Uhr im zweiten Hafen unserer Reise, Sitka, draußen auf einer Insel vorm offenen Pazifik gelegen, angelegt hatten. Das dauert immer eine Weile, war aber prima, weil da die Maschine still war. Ich habe mich dann wie die anderen dort auch, zwischen eine Sesselreihe mit meiner Decke und dem Kopfkissen auf den Teppichboden gelegt und wunderbar weiter geschlafen: warm und kuschelig, und hier drinnen wirkte das Motorengeräusch eher leise und einschläfernd.

Jetzt habe ich gut gefrühstückt; die Bordkantine ist super: Gewählt habe ich frisch gebackene Reibekuchen mit Apfelmus und Sourcreme sowie Würstchen. Ja, so lieben sie es hier, war das Angebot des Tages, muss man machen. Beim Essen ist es klug, der Meute zu folgen, entsprechend meinem Prinzip, an unbekannten Orten stets das vollste Restaurant zu wählen. Gestern im Hotel war ich nämlich nicht so klug und habe „cereals, fruit and yoghurt“ à la carte bestellt. Das dauerte endlos, die Bedienung verstand erst gar nicht, was ich meinte. Da stand mein Entschluss fest: Nur noch das typisch Amerikanische bestellen, bzw. das Kanadische demnächst. ( Für Dennis:) Blueberry pancakes wie in Neuengland sind hier leider eher selten, schade!

Nun sitze ich also drinnen, schaue in den Regen aufs Wasser und hoffe, dennoch ein paar Wale zu Gesicht zu bekommen - und mehr als nur deren Blast. Denen dürfte der Regen ja egal sein. Den nächsten Hafen Petersburg erreichen wir erst nachmittags gegen 5 Uhr. Davor soll es eine landschaftlich besonders reizvolle Passage geben. Aber reizvoll ist eigentlich die gesamt Gegend, die wir durchfahren; wilde Wälder und Wasser. Und total reizvoll ist diese Schiffsfahrt mit der Ferry, really!

Samstag, 11.08., 19 Uhr

Der heutige Tag ist leider wenig spektakulär verlaufen bisher. Durch all das Grau der tief liegenden Wolken, die immer wieder kräftigen Regen ausschütteten, war draußen wenig bis gar nichts zu erkennen, weder Berge noch Wale. Gerade fahren wir durch den landschaftlich attraktivsten Teil der Inside Passage kurz vor Petersburg. Ein wenig hat es eben mal aufgehellt, so dass man die herrliche Kulisse der weißen Bergwelt erahnen kann, die hier links und rechts den Sund säumt, sogar ein bisschen blauen Himmel gab es kurz, dann wieder Regen - und nun gerade erscheint ein Regenbogen - und verändert alles.

Der Himmel reißt auf, blaue Löcher sind zu sehen, die Sonne blinzelt hervor, und dann sind da auch die Berge und Gletscher zu sehen, Wahnsinn, eine tolle Kulisse. Wir fahren inzwischen in die Bucht von Petersburg ein, eine nett aussehende kleine Stadt mit vielen bunten Häusern: Gründung von Norwegern, der Stil wurde durchgehalten. Hier verlassen viele Passagiere das Schiff, und neue kommen hinzu, ein größerer Wechsel, auch Anja und Bill gehen hier von Bord mit ihrem Camper. Man kann die Insel, auf der Petersburg liegt, offenbar gut mit dem Auto erkunden und dann in zwei Tagen die nächste Fähre zur Weiterfahrt nutzen. Hop-off, hop-on auch mit dem Auto kostet nichts extra.

Das plötzlich veränderte, doch sehr viel freundlicher gewordene Wetter lässt auch die Lebensgeister der Reisenden wieder erwachen, man trifft sich auf dem Sonnendeck zum Fotografieren - und schon gibt es wieder neue Kontakte. Zwei jüngere Männer, sehr professionell ausgestattet, die Brüder sein könnten, entpuppen sich als Schweizer. Sie haben eine Hikingtour in einer kleinen geführten Gruppe mit Zeltübernachtungen in einem der vielen Nationalparks in Alaska gemacht und das Land bis über Fairbanks hinaus mit einem Mietauto erkundet. Sie sind schon drei Wochen unterwegs und wollen nun noch nach Vancouver Island, wie ich ja auch, um dann noch einmal mit einer Abschlusswoche auf Hawaii Wärme zu tanken. Das einzuplanen ist von den beiden eine sehr gute Idee; ich hatte sie auch, habe sie aber verworfen - warum eigentlich? Anyway. - Ein weiteres Paar (m/w) stößt dazu, auch diese beiden sind, wie ich erst jetzt merke, Schweizer, übrigens gar nicht weit von den beiden anderen bei Winterthur entfernt wohnhaft, kannten sich aber nicht. Da wir alle fotografieren, wird eine Menge gefachsimpelt über die Ausstattung, die Speicherung, das Bearbeiten der Fotos usw. Von wegen langweiliger Tag, er wird erst zum Abend hin richtig lebendig.

Dann nehme ich Kontakt auf zu einem sehr jungen Mann, Anfang 20 vielleicht, der mir schon von Juneau an aufgefallen ist, weil es ein „Backpacker“ ist, der sich sein Essen auf dem Deck auf einem kleinen Gaskocher selber zubereitet. Ich hatte ihn für einen Amerikaner gehalten, weil er recht flüssig Englisch spricht, nun aber merke ich, dass er doch einen sehr europäischen Akzent hat. Ein junger Franzose! Er macht mit geringsten Geldmitteln eine Reise durch Alaska und Kanada per Anhalter, im Zelt, wird hernach in Kanada für ein paar Wochen auf einer Farm arbeiten, um sich Geld für die Weiterreise zu verdienen. Wo er noch hin kommt, weiß er noch gar nicht, auch nicht wie lange er noch unterwegs sein wird. Nur vor dem Wintereinbruch, da will er doch wieder zu Hause sein. Mutiger Typ, ganz jung, ganz allein unterwegs, total offen und freundlich und begierig auf Neues und Erlebnisse auf einem fremden Kontinent.

Ich habe gegessen, wieder sehr gut und preiswert, gekochten „Cod“ (Kabeljau) in Spinatblätter gerollt, dazu Reis, mmh. Ist Alaska ansonsten auch sauteuer, die Fähre und ihre Küche ist es nicht: eine sehr reelle Sache. Wir gleiten durch eine sehr enge kanalartige Meeresstraße weiter Richtung Süden. Es wird wärmer, aber der Tag wird auch deutlich kürzer. In Prince Rupert morgen wird dann die Uhr wieder eine Stunde vorgestellt. Aber zunächst einmal bin ich gespannt, was noch der Abend bringt.

 

Sonntag, 12.08., 9:30 Uhr

Heute Morgen um 7 Uhr in Ketchikan war es noch sehr nebelig und feucht, aber jetzt auf der Weiterfahrt nach Süden über die US- Kanada-Grenze bis Prince Rupert scheint zum ersten Mal während der Passage richtig die Sonne. Die Meeresstraße weitet sich immer mehr zu einer großen Bucht (hier kann es dann auch etwas Dünung geben), ehe nahe Prince Rupert wieder Inseln schützend vor das Festland treten. Fast etwas traurig schreibe ich diese letzten Zeilen auf dem Schiff, denn in gut vier Stunden sind wir schon da, und damit geht eine unvergleichlich schöne Erfahrung in der Inselwelt Südalaskas zu Ende.

Gestern Abend war es in der Bar mit den beiden Schweizern noch sehr anregend. Sie arbeiten in einer Firma gemeinsam als Elektriker und konnten den Chef zu einem solch langen Urlaub bewegen, denn sie sind auch mehrere Wochen unterwegs. Sie wechseln in Prince Rupert - nach einer Nacht an Land - die Fähre und fahren mit den BC Ferries weiter nach Port Hardy an der Nordspitze von Vancouver Island. Das hatte ich auch erwogen, aber es sind noch einmal fast 20 Stunden Schiffsfahrt. Ich werde dann morgen, Montag, nach Vancouver fliegen, dort das Auto für die gesamte restliche Zeit übernehmen und dann am Dienstag übersetzen nach Vancouver Island. In der schönen Hauptstadt der Insel, Victoria, werde ich erstmal drei Nächte „Pause“ haben. Uff.

Ich bereue ein bisschen, Alaska nur so kurz als Auftakt besucht zu haben. Es wäre eine eigenständige längere Reise wert gewesen. Ich beginne dann mit Vancouver den zweiten, größeren Teil meiner Reise durch Kanada, erst Vancouver Island, dann der Westen mit den berühmten Nationalparks in den Rocky Mountains. Aber bis dahin ist es ja noch ein wenig Zeit. Immerhin geht mit Alaska das erste Drittel meiner Reise zu Ende, schnief :-(

Umso mehr genieße ich jetzt nach einem guten Frühstück die teils sonnige, zumindest lichte Zeit auf dem Oberdeck („Sonnendeck“), werde nachher noch einen guten Lunch habe, ehe es dann um 2 Uhr pm Alaska-Zeit, um 3 Uhr pm Pacific Time (daylight, d.h. -9 Stunden von Deutschland aus) in Prince Rupert von Bord geht. Auf die Dusche im Hotel freue ich mich allerdings schon jetzt. Die Nacht war aber prima, habe im Warmen auf weicher Decke auf dem Teppichboden wunderbar geschlafen. Kabine braucht es nicht. Das Schiff hat sich schon geleert, denn in Prince Rupert endet die Route „South Alaska Southbound“. Eine tolle Strecke ist das, eine wundervolle Erfahrung war das, kann ich jedem nur empfehlen!

 

Abends am Sonntag, 12.08.

Gut gebadet (hatte ein kostenloses Upgrade im Hotel, Badezimmer mit Jacuzzi, kam gerade recht!), leicht gegessen (Oysters) und gut getrunken (canadian ale), auch einige Sachen ausgewaschen, lasse ich nun den Abend der wunderschönen Fährreise der inside passage und der Alaskatour insgesamt ausklingen. Mir kommen immer wieder einige Begegnungen in den Sinn mit Menschen, mit denen man auf das Passage Worte gewechselt oder auch mal länger gesprochen hat, ohne dass ich sie hier alle aufzählen könnte. Habe auf dem Schiff bei der Einfahrt in die Bucht von Prince Rupert wieder mal eine Weile mit „unserem“ alten Whale-Watcher gesprochen. Er saß in Nebel und Regen mit gutem Fernglas bewaffnet fast die ganze Tageszeit der Fährfahrt von Juneau an bis Prince Rupert auf dem Deck und suchte das Wasser nach Zeichen von Walen ab: Hier ein Blow, dort eine Flosse. Seine Frau frage ihn öfter, sagte er, was er denn die ganze Zeit auf dem Oberdeck mache. „I watch whales, it is my daywork.“ Auch er kannte Deutschland, weil er dort eine Zeit lang stationiert war, hat ihm gefallen, dann ist er einige Jahre auf einem Flugzeugträger der US-Navy auf dem Atlantik gefahren, und nun hat er ein Haus in Oregon mit weitem Blick auf den Himmel und die Sterne und mit völliger Ruhe, nur die Tiere höre er über das Jahr. Er wirkte rau und direkt, war aber eigentlich ein ganz lieber Kerl und sensibler Freund der Natur und des einfachen Lebens. Hat mir imponiert. Wir haben uns herzlich verabschiedet.

So wie ich nun dieses großartige Alaska verabschiede, müde ins richtig weiche Bett falle und dann morgen früh zu neuen Erlebnissen aufbreche. Kanada ruft!
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P.S.: Ich habe keine Fotos in dieses "Schiffstagebuch" eingebunden, es gibt sie aber reichlich bei Picasa im Netz, hier der Link zum Album AMH-Ferry.

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